Postcard Collection -                     Catching Shadows


Catching Shadows ist eine Postcard - Collection zum Thema Schatten - Portraits anlässlich der Master Thesis für die Hochschule Design und Kunst. 

Meine Schatten-Portraits entstanden im Alltag – im Gehen, im Flanieren, im Unterwegs sein. Was als Gewohnheit begann, wurde zur Sammlung: ein Sammeln von Schattenportraits und von Themen, die im Zusammenhang der Schattenportraits stehen. Im Kunstbereich, in kulturellen und gesellschaftskritischen Themen aber auch im Innern. Es ist ein fortlaufendes Entdecken – ein Sehen, das nicht stillsteht. ….


Reflexion Catching Shadows
A Shadow Portrait Postcard Collection
Fragments on projections, self image and inner shadows

In meiner künstlerischen Praxis beschäftige ich mich mit dem Fotografieren eigener Schattenportraits. Ich gehe regelrecht auf Schattenjagd – im Alltag, auf Reisen und in Momenten, in denen ich meinem Schatten begegne. Dabei begegne ich ihm nicht nur in der Fotografie, sondern auch in meinem Inneren sowie in unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen wie Fotografie, Film, Illustration, Karikatur, Comic oder Schattenskulptur, ebenso wie in Literatur, Kunst, Kultur und gesellschaftlichen Themen. 

Meine Schattenportraits sind keine konstruierten Einzelwerke, sondern eine stetig wachsende Sammlung, die schon beinahe zur Obsession wird und kein klares Ende kennt. Die Lust, meinen Schatten zu fotografieren, war schon lange da, wurde mir jedoch erst in einem persönlichen Wendepunkt bewusst.

Ich suchte ein Thema, das bereits vorhanden war, den Fokus auf mich selbst richtet und gleichzeitig von mir wegführt. Das Schattenportrait wurde zu einer Form der Selbstannäherung und Distanz zugleich. Mein Gesicht, mein Körper bleiben anonym – der Schatten zeigt keine Emotion, keine eindeutige Identität, und lässt dennoch eine Präsenz zurück. 

Für mich stellen meine Schattenportraits einen Kontrast zur Selfie - Kultur dar, die von Inszenierung, Sichtbarkeit und Kontrolle geprägt ist. In meinen Schatten -Selfies braucht es weder ein gestelltes Lächeln, eine perfekt inszenierte Kleidung und Make -up, einen Beweis für Ort und Zeit, noch eine klare Zuschreibung. Die Fotografie könnte von jeder Person stammen – und dennoch ist sie untrennbar mit mir verbunden. 

Was mich daran reizt, ist das Unterwegssein, das Spiel mit meiner eigenen Silhouette in unterschiedlichen Umgebungen, Lichtverhältnissen und Stimmungen. Der Schatten verändert sich mit Tageszeit, Untergrund und Kontext, wird flach, plastisch, klar oder verzerrt. Es ist ein Spiel mit Formen, mit Geometrie, mit Momenten, in denen Umgebung, Körper und Licht zu einer eigenen Bildsprache verschmelzen. 

Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass mich weniger das perfekte Bild oder eine abgeschlossene Serie interessiert, sondern das Sammeln selbst. Fragmente von Beobachtungen, Stimmungen und Themen, die sich um den Schatten bewegen – von persönlichen Empfindungen bis hin zu kulturellen, historischen und gesellschaftlichen Aspekten. 

Der Schatten trägt eine starke, meist negative Konnotation: das Unheimliche, Verborgene, Unfassbare. Gleichzeitig zeigt er auf innere Zustände, auf kollektive Erfahrungen und auf Themen, die sich zwischen Sichtbarkeit und Verdrängung bewegen. Für mein Artistbook suchte ich deshalb nach einer Form, die dieses Sammeln widerspiegelt und offen bleibt für Erweiterungen. Die Postkarte erschien mir dafür ideal. 

Die Postkarte selbst ist nicht nur eine Karte mit einem hübschen Bild und einer kurzen Textnachricht. Sie ist auch ein kulturelles und historisches Zeitzeugnis. Während klassische Postkarten zunehmend von digitalen Kommunikationsformen verdrängt werden, tauchen sie heute oft als Werbung, Kunstpostkarten oder Einladungen wieder auf. 

Meine Arbeit greift diese Mischform auf. Jede Postkarte zeigt ein Schattenportrait und ein Fragment – einen Titel, einen kurzen Text, eine Andeutung. Sie soll anregen, ohne alles preiszugeben. Genauso, wie wenn man von jemandem eine Postkarte erhält, kann man sich einfach nur am Bild und der kleinen Anregung freuen oder nach dem Erhalt noch weiter nachhaken - wie denn die Reise war. Dem Betrachter/in bleibt Raum für eigene Gedanken, in die man sich mehr vertiefen kann. Dieses Erlebnis wollte ich auch dem Leser/ der Leserin der Postkarte aus der Shadow Postkartensammlung vermitteln. 

Die Adressen verweisen entweder auf den tatsächlichen Entstehungsort oder sind thematisch gesetzt und führen in die Schattenwelt hinein, ohne sie vollständig zu entschlüsseln. Für eine vertiefte Auseinandersetzung dient die Briefmarke in Form eines QR- Codes als Zugang zu einer digitalen Erweiterung meiner Arbeit. 

Auf dieser Website sammle ich weitere Fragmente: Gedanken, Recherchen, kulturelle Bezüge und Fundstücke. 

So bleibt das Projekt offen, wächst weiter und bewegt sich zwischen analoger und digitaler Sammlung – wie der Schatten selbst zwischen Sichtbarkeit und Entzug. 



Doppelschatten 3, © Lexy Ottwald, 2026, Digitale Fotografie (Smartphone)