



Postkarte: Im Schatten der Vampirfilme
Nosferatu ist ein Kultfilm. Vor allem wenn es um die Darstellung von Schatten geht. Oft sieht man den Vampir Graf Orlok zuerst als Schatten. Erst dann wird die Figur eingeblendet.
Der Schatten, mit dem der Vampir die Treppe emporsteigt, wurde oft auch in anderen Filmen verwendet.
Die Schattenszenen wurden zu einem beliebten Stilmittel. So lebt die Neuverfilmung von 2024 von Robert Eggers ebenfalls von den vielen Schattendarstellungen, die das gespenstische, todbringende Unheil verkünden.
Nosferatu ist ein Stummfilm. Es war ein Vergnügen, die Texte zu erhaschen, in denen das Wort Schatten vorkam. Einen dieser Texte verwendete ich auf meiner Postkarte.
Der 1922 gedrehte und am 4. März 1922 erstmals im Berliner Zoo-Palast uraufgeführte Film Nosferatu wäre fast in den Schatten gerückt. Der Stummfilm stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Während bei den Dreharbeiten – unter anderem in den Karpaten und in Wismar – Gelder veruntreut wurden, war der Film in den wenigen Kinosälen, in denen er gezeigt wurde, trotz guter Kritik ein Flop. Noch dazu wurde der Film verboten. Der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau versäumte es, bei der Witwe von Bram Stoker die Filmrechte einzuholen. Der Film war nahezu eine Kopie der Dracula-Story. Die Unterschiede waren lediglich, dass man den Orten und Personen andere Namen gab. So wurde aus Dracula Graf Orlok, aus Jonathan Harker wurde Hutter, und aus London wurde die Stadt Wisborg. Einige, vor allem weibliche Figuren, liess man weg.
Erfreulich ist in der Nosferatu-Version jedoch, dass Frauen nicht nur als sinnliche Opfer dargestellt werden. Ellen Hutter, die Frau des Immobilienmaklers, opfert sich für ihren Mann und für die ganze Stadt, damit der Spuk des Vampirs ein Ende hat. Dazu kommen wunderschöne Inszenierungen, die an die düsteren, romantischen Gemälde von Caspar David Friedrich erinnern.
Viele Horrorfilme wurden in den 1920er-Jahren gedreht. Dabei war der Horror nicht nur in den Kinosälen präsent, sondern auch ausserhalb, da man unzähligen stark verletzten und traumatisierten Soldaten des Ersten Weltkriegs auf den Strassen begegnete. Der Film Nosferatu hätte nach dem Gerichtsurteil zerstört werden sollen.
Zum Glück brachten einige Liebhaber Kopien ins Ausland. Heute gilt der Film als Meilenstein der Filmgeschichte und kann von jedem, der ihn sehen möchte, auf DVD, YouTube oder anderen Kanälen angeschaut werden. Und vielleicht ist es genau dieser Schatten, der Nosferatu bis heute lebendig hält – ein Spiel aus Licht und Schatten, das zeigt, wie nah uns das Unheimliche manchmal ist.
Bildverzeichnis: Screenshot aus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922), restaurierte Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, abgerufen über YouTube am 13. April 2026, ca. 18:15 Uhr.
Quellenverzeichnis: Murnau, F. W. (1922). Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens [Film]. Restaurierte Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Verfügbar auf YouTube, abgerufen am 13. April 2026. Norddeutscher Rundfunk (NDR).
„Nosferatu: 103 Jahre Uraufführung des Meisterwerks von Murnau.“
Zugriff am 12. März 2026.
https://www.ndr.de/kultur/film/Nosferatu-103-Jahre-Urauffuehrung-des-Meisterwerks-von-Murnau,nosferatu152.html
Heger, Christian.
„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens.“
Bundeszentrale für politische Bildung. 23. Oktober 2014.
https://www.bpb.de/lernen/filmbildung/230672/nosferatu-eine-symphonie-des-grauens/ Aufgerufen am 12.04.2026 Schweizer
Radio und Fernsehen (SRF).
„‹Nosferatu› macht Vampire wieder furchteinflössend.“
4. Januar 2025.
https://www.srf.ch/kultur/film-serien/neu-im-kino-nosferatu-macht-vampire-wieder-furchteinfloessend, Aufgerufen am 12.04.2026ext