


Postkarte: Golem
Die Sage um Golem. Der riesigen Erdfigur aus Prag, ist einer meiner Lieblingserzählungen meiner zweiten Heimatstadt.
Der Legende nach erschuf Rabbi Löw, der tatsächlich auf dem alten jüdischen Friedhof neben der Altneu-Synagoge begraben liegt, aus Lehm eine gewaltige menschenähnliche Figur. Durch ein heiliges Wort, das sogenannte Schem, geschrieben auf einem Zettel, den er ihr in den Mund legte, erweckte er Golem zum Leben.
Der Golem sollte das jüdische Viertel Prags beschützen – still, gehorsam und scheinbar unzerstörbar. Doch wie so oft in alten Geschichten liegt die Gefahr in der Macht selbst: Eines Tages gerät die Kreatur ausser Kontrolle. Rabbi Löw sieht sich gezwungen, den Golem wieder zu bannen, indem er ihm das lebensspendende Wort entzieht. Der Körper aus Lehm zerfällt – doch die Legende bleibt.
Diese Geschichte hat über Jahrhunderte hinweg Künstler inspiriert, unter anderem den Film «Des Kaisers Bäcker – Der Bäcker des Kaisers», den ich mir bis heute einmal jährlich anschaue – fast so traditionsbewusst wie andere «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» zur Weihnachtszeit.
Als ich nun durch das geschichtsträchtige Diessenhofen im Thurgau laufe – tagsüber malerisch, doch abends menschenleer, mit seinen alten Strassenlampen und Fachwerkhäusern etwas unheimlich – begegne ich bei meiner Schattenjagd unzähligen unheimlichen Gestalten.
Doch diese Eine ist mir am liebsten.
Weil sie mich an meine Heimat erinnert.
Bildverzeichnis: Golemschatten, © Lexy Ottwald, 2026. Digitale Fotografie (Smartphone).